Urs Zürcher
Schriftsteller
Monster oder Laune der Natur. Medizin und die Lehre von den Missbildungen 1780-1914
Monströse Körper galten lange als Fragmente einer aussernatürlichen Welt. Ausgestellt in Kuriositätenkabinetten und auf Jahrmärkten, erinnerten sie an allerlei Wunderliches und zuweilen Bedrohliches. Im 18. Jahrhundert begann die Medizin sich für diese Körper zu interessieren. Zugleich mit der pathologischen Anatomie formierte sich die Lehre von den Missbildungen: die Teratologie. Missbildungen gehörten nun zum wissenschaftlichen Alltag und wurden im Rahmen der aufgeklärten Naturwissenschaften erforscht. Urs Zürcher schildert nicht nur die Geschichte dieser Lehre, er bezieht auch die Ärzte selber ein, auf die die "Welt des Monströsen" eine seltsame Faszination ausübte.
Urs Zürcher rekonstruierte dabei die zeitgenössisch-medizinische Sicht auf Andersheiten, Typenbildung und Klassifikationen, sowie die Entstehung des Konzeptes über Behinderung in der bürgerlichen Moderne, beginnend mit der religiösen und metaphysischen Deutung als „Monster“, bis hin zur medizinischen Anomalie und Pathologie. Diese historischen Diskurse sind essentiell für das Verständnis über die Entstehung von spezifischem Wissen, welche durch gesellschaftliche Meinungen untermauert und legitimiert werden.
(Disability Studies Austria)
Zürcher liefert damit eine beeindruckende, akribisch recherchierte und anregende Fallstudie zur Wissenschaftsgeschichte des 19. Jahrhunderts.
(literaturkritik.de)
Das besondere Verdienst dieses Buches liegt darin, aufzuzeigen, wie sich der wissenschaftliche Blick auf Behinderung sowie unsere Affekte und Verhaltensweisen im Umgang mit behinderten Menschen historisch entwickelten. Zürchers Studie hilft, besser zu verstehen, wie wir auf Behinderung reagieren und warum wir das tun. Dies kann ein Beitrag sein zu einem vorurteilsfreien und gleichberechtigten Miteinander.
(Archiv für Sozialgeschichte Online)
Der Historiker Urs Zürcher zeigt, wie die moderne Medizin sich der körperlichen Missbildungen bemächtigte.
WoZ
